Dienstag, 6. November 2012

And the winner is ...

Seit ein paar Minuten ist es offiziell: Barack Obama ist für 4 weitere Jahre im Amt – und die Diskussionen auf facebook gehen schon heiß her … wenn es etwas gibt, über das ich mit Amerikanern echt nicht (gerne) rede, dann ist das Politik.
Das bekommt man sogar während der „Orientation Week“ mit auf den Weg gegeben: „Don’t talk about politics!“. Amerikaner sind in dem Sinne wirklich sehr … na ja, sagen wir mal „eigen“ und es ist ein SEHR sensibles Thema. Man kann sich ganz schnell Feinde machen oder eine beginnende Freundschaft schädigen, wenn man das (aus Sicht des Amis) Falsche sagt.

Die meisten wählen hier das, was ihre Familie schon immer gewählt hat. Das jeweilige Wahlprogramm kennen die wenigsten – bis auf die Sachen die sie stören und die immer und immer wieder in den Nachrichten erwähnt werden. Wobei man hier darauf hinweisen sollte, dass in Amerika die Nachrichten je nach Sender demokratisch oder republikanisch sind. Neutrale Sender gibt es unter den Hunderten dann so ungefähr 2! Somit kursieren viele falsche „Informationen“ auf beiden Seiten.
An zweiter Stelle kommt als Grund für die Bevorzugung einer bestimmten Partei dann noch die Frage, ob man Christ ist oder nicht. Das ist der Grund, den ich persönlich am schlimmsten und dümmsten finde (nur so zur Info: ein „echter“ Christ wählt scheinbar republikanisch …).
Die Regel „Don’t talk about politics“ habe ich übrigens schon brechen müssen. Und glaubt mir, das war weder freiwillig noch angenehm! Aber was soll man machen, wenn der Professor zunächst die halbe 2. „presidential debate“ mit uns in der Vorlesung guckt und mich dann persönlich fragt, was ich denn von dem Satz „Amerika ist und bleibt das einzige Land, auf das man nicht verzichten kann“ (freie Übersetzung meinerseits – den genauen englischen Satz weiß ich nicht mehr, aber es kommt so ungefähr hin) halte … tja, was antwortet man da, als eine der 2 nicht-Amerikanerinnen in einem Raum mit ansonsten ca. 20 Amis?! Ich schätze, ich hab mir an dem Tag nicht gerade viele Freunde in dem Kurs gemacht … aber zustimmen konnte ich dem Satz nun mal nicht!

Letzte Woche wäre übrigens beinahe die Schauspielerin Anne Hathaway nach Whitewater gekommen, um uns (bzw. die wahlberechtigten Amis) davon zu überzeugen, Obama zu wählen. Allerdings durften dank des Hurrikans Sandy keine Flugzeuge aus New York starten …
Aber es hat ja auch so geklappt ;) Wisconsin ist auf der Wahlkarte blau (d.h. demokratisch) und Obama hat jetzt schon über 290 "electoral votes" wobei noch gar nicht alle Stimmen ausgezählt sind (um zu gewinnen brauchte er 270). Während der Auszählung, als noch nichts entschieden war, hat man immer mal wieder Freudenschreie draußen gehört, denen dann Buhrufe der „anderen“ folgten.

Auf meinem Flur hier im Wohnheim gab es wohl schon die ersten Tränen, weil es scheinbar ein Weltuntergang ist, dass Obama das Land weiterhin regieren wird … die ersten Studenten wollen auch schon nach Kanada auswandern! Es werden also viele Plätze an Amerikanischen Unis frei ;)
Jetzt bin ich jedenfalls froh, dass das ganze Theater vorbei ist und ich mir nicht mehr die ganzen Wahlvideos auf youtube angucken muss, bevor ich endlich mal ein Lied hören kann ...

Der morgige Tag wird bestimmt interessant werden! Um das Thema "Präsident" werden wir garantiert in meiner Vorlesung nicht drumherum kommen ... solange mich niemand nach meiner Meinung fragt, hab ich auch nichts dagegen - ich freu mich lieber im Stillen ;)

So, damit wär ich dann auch fertig mit meinem ersten Blogeintrag aus den USA ohne Fotos! Aber so schnell konnte ich leider nicht nach Washington D.C. düsen um exklusive Aufnahmen vom wiedergewählten Präsidenten zu machen ;)

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